MBA ist nicht gleich MBA

Innerhalb der letzten Jahre hat die Vielfalt an MBA-Programmen auch in Österreich stark zugenommen. Personalverantwortliche stehen vor der Herausforderung, die Spreu vom Weizen zu trennen. 

Immer häufiger entscheiden sich Akademiker für ein MBA-Studium, um ihre Kompetenzen zu erweitern und sich für weitere Schritte auf der Karriereleiter zu rüsten. Die Auswahl ist groß:118 MBA-Studiengänge listet die Plattform www.master-and-more.at in Österreich derzeit auf. Die große Vielfalt fordert auch Personalexperten. „Es wird zunehmend schwierig, hier den Überblick zu bewahren“, meint etwa Renate Krammer, die als Geschäftsführerin der Personalberatung Iventa in Wien Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften berät. Fehlende einheitliche Richtlinien erschweren die Beurteilung der Weiterbildungsprogramme. „Es gibt riesige Qualitätsunterschiede. Dadurch wird es wichtig, wo der Bewerber absolviert hat“, sagt Bernhard Wolfschütz, Personalmanager der Oberbank.

Orientierungshilfen nutzen

Akkreditierungen stellen einen wichtigen Faktor zur Bewertung der Qualität von MBA-Programmen dar. Unabhängige Agenturen prüfen die Programme anhand verschiedener Parameter, wie zum Beispiel Qualifikation des Lehrpersonals oder Karriereentwicklung der Absolventen. „Das ist ein erstes Muss, nach dem man sich richten kann,“ sagt Krammer. Staatliche Universitäten und Fachhochschulen in Österreich können auch ohne Akkreditierung einen MBA verleihen. Viele unterziehen sich dennoch freiwillig der Überprüfung durch eine Akkreditierungsstelle. Zudem sind die Programme der drei Privatuniversitäten Modul University Vienna, Privatuniversität Schloss Seeburg und Webster University Vienna akkreditiert. Als international anerkannt gelten die Akkreditierungseinrichtungen EQUIS, AASCB und AMBA sowie im deutschsprachigen Raum die Agentur FIBAA.

Weitere Orientierung bieten Rankings, wobei vor allem jene der Financial Times und des Economist international bedeutend sind. Österreichische Programme finden sich hier allerdings kaum. Lediglich der Global Executive MBA der WU Executive Academy hat es 2013 auf Platz 46 in die Reihen der laut Financial Times weltweit 100 besten Executive MBA Programme geschafft. Für Personalberaterin Krammer sind diese Rankings ein wichtiger Indikator für die Beurteilung von MBAs. Wie viele Experten rät sie aber, die Bewertungskriterien kritisch zu hinterfragen. Der Salzburger Personalberater Jürgen Kaschube sieht kleinere Institutionen bei internationalen Rankings grundsätzlich benachteiligt. So findet sich darin zum Beispiel die Limak Austrian Business School aus Linz nicht. Limak-Geschäftsführer Gerhard Leitner, betont aber, dass sein Institut mit großen internationalen Schulen zusammen arbeite, die auf den Top-Plätzen mit dabei sind. So landete etwa Kooperationspartner Emory Business School in Atlanta 2013 im Economist Ranking auf Platz 19. Österreichische Programme werden jährlich vom Industriemagazin aufgrund einer Umfrage bei Führungskräften gereiht. 2013 wurden dabei die Montanuniversität Leoben, die WU Executive Academy, die Donau-Uni Krems und die Limak sehr gut beurteilt, das IfM – Institut für Management, Schloss Hofen und WWEDU Worldwide Education sind hingegen auf den hinteren Rängen gelandet.

Anforderungen definieren

Für Personalexperten sind aber auch andere Kriterien entscheidend: Für Jürgen Kaschube ist ein aus Wissenschaftlern und Praktikern zusammengesetzter Lehrkörper wichtig. Ebenso hinterfragt er die Zugangsvoraussetzungen der einzelnen Programme, die sehr unterschiedlich sind. Sie reichen von mehrjähriger Führungserfahrung nach einem akademischen Abschluss bis hin zu einer schriftlichen Aufnahmeprüfung ohne weitere Voraussetzungen. Bernhard Wolfschütz achtet darauf, „welche Inhalte in welchem Ausmaß von wem trainiert werden.“ Zudem achte er auf den Träger der jeweiligen Einrichtung: Ob und welche Universität oder Fachhochschule dahinter steht oder ob es sich um einen privaten Träger handelt.

Großen Wert legt Personalberater Kaschube auf ein stimmiges Gesamtbild. Der MBA solle zur gesamten Ausbildung des Bewerbers passen und diese sinnvoll ergänzt. Wichtig seien zudem die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens. „Ein MBA aus St. Gallen passt für mittelständische Unternehmen nicht“, meint er. Absolventen solcher internationaler Programme mit vorwiegend strategischer Ausrichtung seien vor allem für internationale Konzerne interessant, so Personalberaterin Krammer. Für die Oberbank hingegen ist die inhaltliche Spezialisierung wesentlich. Personalmanager Wolfschütz sucht vor allem Absolventen, die sich im Sales-, Finanz- oder Innovationsmanagement spezialisiert haben.

Nutzen hinterfragen

Letztendlich kommt es aber immer darauf an, wie Absolventen von der Weiterbildung profitieren. Renate Krammer empfiehlt Interessenten, sich vorab genau über den Wert der jeweiligen Ausbildung zu informieren, beispielsweise über Absolventen-Foren im Internet. Jürgen Kaschube rät, nur eine Ausbildung zu absolvieren, die das eigene Profil sinnvoll ergänzt und dem angestrebten Karriereschritt dienlich ist. Technikern etwa, die sich für Führungsaufgaben rüsten wollen, empfiehlt er MBAs, die eine breite Ausbildung bieten, wie beispielsweise die General Management Programme.

Nicht alle Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit der Qualität von MBA-Programmen. Die Personaler des steirischen Leiterplattenherstellers AT&S legen zwar Wert auf Bewerber mit MBA-Abschluss, nicht jedoch darauf, wo dieser absolviert wurde. Susanne Buchberger, Personalleiterin bei Waagner-Biro in Wien, wäre froh, überhaupt ausreichend Bewerber zu haben, die ihre technische Ausbildung mit einem MBA kombiniert haben. Die Ausbildungsstätte sei da zweitrangig, meint sie.

Veröffentlicht im Wirtschaftsblatt Regional, 4. Dezember 2013

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